Dienstag, 23. Oktober 2012

Heimatecke

Verarmter Graf musste Schloss verkaufen

Schloss
Vor 100 Jahren wechselte der Eigentümer von Schloss Friedewald - 450.000 Mark Kaufpreis
Vor 100 Jahren gab es - wieder einmal - einen Eigentumswechsel des Schlosses Friedewald: Für 450.000 Mark verkaufte Graf Alexander von Hachenburg es nebst Inventar an seinen Verwandten Prinz Otto von Sayn-Wittgenstein-Berleburg.
Alexander von Hachenburg, der die ehemalige Ruine 1886 für 15 Reichsmark gekauft hatte, baute das Schloss wieder auf und verlieh ihm wieder seinen ursprünglichen Glanz. Doch durch die Bauarbeiten hatte sich Alexander finanziell verausgabt und auch sein mitunter extravaganter Lebensstil trug nicht zur Konsolidierung seiner Finanzen bei. So war der Graf schließlich gezwungen, sich von seinem Schloss zu trennen. Bürgermeister Heinrichshofen vermerkte dazu in der Daadener Amtschronik: ?Graf von Hachenburg, welcher es (das Schloss) aus einer Ruine zu einem Herrensitz umgestellt hatte, musste es, nachdem sein Kredit völlig erschöpft war, schuldenhalber verkaufen. Er zog nach Hachenburg. Friedewald hatte ihm vieles zu verdanken, er besaß einen Kunstsinn, aber nicht die Gabe, mit Geld hauszuhalten.?
Am 23. Juni 1912 zog Prinz Otto als neuer Schlossherr in Friedewald ein. Es wurden fünf Ehrenpforten eingerichtet. Der Ort war reichlich geflaggt und abends gab es Freibier.
In den beiden folgenden Jahren ließ der neue Eigentümer das Schloss erweitern: Der Torbau wurde erhöht und ausgebaut und neben dem Uhrturm entstand ein Wohnhaus, das sog. Oberförsterhaus. Und noch eine weitere bleibende Spur hinterließ Prinz Otto im Daadener Land. Da er evangelisch war, beantragte er, ihm in der Daadener Kirche einen besonderen Stuhl einzurichten. Das Presbyterium stimmte dem zu und so wurde auf der ersten Empore der bis heute so genannte Prinzenstuhl eingebaut, der sich von den üblichen Kirchenbänken dadurch unterscheidet, dass er mit bequemen Polsterstühlen ausgestattet ist.
Bereits 1919 verpachtete Prinz Otto das Friedewälder Schloss. Pächter bis 1929 war Kommerzienrat von Oswald aus Koblenz das Schloss gepachtet. Lange Zeit betreute Verwalter Schütte die ganze Anlage. Noch in den zwanziger Jahren übertrag Prinz Otto das Schloss an seine Frau Elisabeth zu Eigentum. Am 3. Und 4. Juli 1933 wurde das Inventar mit all den reichen Bild- und Waffensammlungen und den prächtigen Möbelstücken versteigert. Nur einige wenige Gegenstände bleiben im Schloss erhalten; sie sind heute im Rittersaal zu sehen.
Prinzessin Elisabeth, die nach erfolgter Scheidung in zweiter Ehe mit Dr. Richard Merton aus Frankfurt verheiratet war, übertrag das Schloss 1938 an ihre vier Söhne aus erster Ehe, um so einer Enteignung durch die Nazis - ihr zweiter Mann war Jude - zu entgehen. Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt Elisabeth Merton das Schloss zurück; sie verkaufte es 1954 an den Verein Friedewald e.V., den Trägerverein der Ev. Sozialakademie.

 
Quelle: 
Amtsblatt (2012) Jahrgang 39, Nr. 28, S. 16, Verlag Wittich.  Ulrich Meyer ARGE Heimatgeschichte.