Dienstag, 23. Oktober 2012

Salzschmuggel

Salzschmuggel im Daadener Land

Nachdem mit dem Wiener Kongress (1815) die Grafschaft Sayn-Altenkirchen (wozu auch Friedewald gehörte) Preußen zugeschlagen wurde, wurden selbstverständlich auch preußische Gesetze im Land umgesetzt. Die Neuordnung betraf auch die Ausübung des sogenannten Salzregals. Zuständige Faktorei für das Daadener Land wurde Olpe, später Siegen, ab 1830 schließlich Altenkirchen.
Immer wieder kam es zu Beschwerden über die Verteilerstellen. Viel größer war jedoch die Klage über die Salzsteuer, die das Salz erheblich verteuerte. Das benachbarte "Nassauische Land" blieb von dieser Steuer verschont. Da die Daadener Bürger von jeher geschäftstüchtig waren, kauften sie ihr Salz natürlich "schwarz" hinter der nahegelenden Grenze. Die führte dazu, dass der Salzschmuggel blühte.
Im Jahre 1832 sah sich der damalige Landrat Koch (Altenkirchen) gezwungen eine Verfügung der Regierung in Koblenz weiterzuleiten:

…in hiesigen Kreis auf freche und beinahe öffentliche Weise Salz eingeschwärzt wird."

"Der Schmuggel wurde "bandenweise" betrieben, Grenzaufsichtsbeamte teilweise misshandelt und lebensgefährlich verletzt."
"Salzhausierende sind zu verhaften, da Hausieren mit Salz gänzlich untersagt ist". 

Man führte als Maßnahme die sogenannte "Salzverbrauchskontrolle" ein. Mit dieser wurde festgelegt, dass jede Person im Jahr 4 Pfund Salz abnehmen musste. Der freie Salzhandel wurde damit unterbunden.
Als erste "Seller" für das Daadener Land wurden das "Handelshaus Jung und Eckhardt" verpflichtet.
Die Abnahmepflicht führte bei den Menschen zu großem Unmut. Die Kaufleute beschwerten sich, dass sie selbst nun kein Salz mehr verkaufen durften. Die Bürger über viel zu hohe Pflichtmengen und die Seller beklagten die viel zu geringe Abnahme der Kleinverbraucher. Trotz allem ließ sich die Regierung jedoch nicht beirren und beharrte viele Jahre lang auf die Zwangsabnahme. Der Schmuggel war damit unattraktiv geworden.
Interessant zu erwähnen ist noch, eine für die damalige Zeit sehr ungewöhnliche Besetzung des Selleramtes: die Witwe Gustav Nickol, führte das Amt einige Jahre.
Dazu ließ sich in den Gemeindeakten von 1840 ein Hinweis finden, der uns heute sicherlich schmunzeln lässt:


"Zudem passt es sich nicht und ist sogar gesetzeswidrig, einem Frauenzimmer einen öffentlichen Dienst zu übertragen."

In Anlehnung an: 
Langenbach, Wilhelm: Amt Daaden (Friedewald). Entwicklung, Wirtschaft und Verkehr. Amt Daaden, 1965, S. 23-28.